Geschichte · Beruf & Anerkennung

Svitlana Blaga: Eine Rechtsanwältin aus Charkiw verhandelt weiter – von Halle aus

Und die zweite Runde war etwas intensiver. Die begann im Jahre 2025 im Sommer, als ich mich erinnerte, dass ich ein paar Jahre vorher beim Dolmetschen für ukrainische Geflüchtete den Vadym Nastasyuk kennengelernt hatte und er mir damals schon anbot, für sein Unternehmen zu arbeiten – für Ancora Coaching. Und ich ging dann also auf sein Angebot ein, und er hat mir dann mehrere Geflüchtete aus der Ukraine als Klientinnen übergeben, mir den Auftrag gegeben, dass ich mit ihnen 80 UE – also 80 Unterrichtseinheiten, 80 Stunden – intensiv verbringen kann im Einzelgespräch, um sie auf dem Weg zu begleiten, den sie hier in Deutschland beschreiten. Und das war sehr intensiv, sehr facettenreich, sehr positiv, weil ich die Möglichkeit hatte, sehr nahe zu erfahren, was Menschen aus der Ukraine denken, wie sie sich hier fühlen, welche Ängste sie haben, welche Hoffnungen, welche Wünsche.

Und ich bin in dieser kurzen Zeit mit sehr interessanten Menschen zusammengekommen. Da war meine erste Klientin in Halle, die Frau Svitlana Blaga, die ihres Zeichens Rechtsanwältin ist. Und sie hat mir berichtet, dass es in der Sowjetunion eine Ausnahme war, dass sie Jura studieren durfte und dann eine Lizenz bekam als Rechtsanwältin, weil es in der Sowjetunion für Frauen nicht üblich war, in diesem Beruf zu arbeiten. Und ich fand es so spannend, mich mit dieser Frau auszutauschen, weil sie sehr dankbar war mir gegenüber. Obwohl sie bereits auf jeden Fall das Sprachniveau B1 erreicht hatte, haben wir trotzdem zu Anfang zumindest auf Russisch kommuniziert. Interessanterweise hat sie oftmals begonnen, Ukrainisch zu sprechen, und hat dann wiederum geschaltet ins Russische. Und ich habe ihr gesagt: „Sie können gerne Ukrainisch weitersprechen, ich möchte auch gerne etwas mehr Ukrainisch lernen.“ Und sie hat mir erklärt, dass sie seit einigen Jahren jetzt vor allem auf Ukrainisch kommunizieren muss, weil sie als Rechtsanwältin natürlich gesetzlich dazu verpflichtet ist, weil die Ukraine jetzt Ukrainisch als Staatssprache und vor allem vor Gericht nur Ukrainisch anerkennt und sie natürlich Dokumente nur noch auf Ukrainisch verfasst.

Und sie hat mir dann berichtet, dass sie nach wie vor Fälle vor Gericht noch verhandelt. Und da war ich sehr erstaunt! Ich habe gesagt: „Wie machen Sie das?“ Und sie hat gesagt, dass es in der Ukraine möglich ist, alles elektronisch, alles digital, sämtlichen Schriftverkehr digital rechtssicher abzuwickeln, und dass sie deshalb noch Fälle betreut, die sie vor der Flucht angenommen hat, und jetzt weiterhin aus Halle vor dem Gericht in Charkiw – das ist ihre Heimatstadt – verhandelt. Und das ist natürlich super interessant, weil das Jobcenter das erlaubt: Das Jobcenter sagt, ja, natürlich darf sie weiterhin diese Tätigkeit ausführen als Rechtsanwältin. Das Einzige, was sie natürlich nicht darf – logischerweise –, ist, dass sie in Deutschland Mandantinnen berät zu Fällen, die in Deutschland vor Gericht verhandelt werden.

Ja, also ich glaube, ich habe Svitlana Blaga ein ganzes Stück begleitet auf ihrem Weg in die deutsche Gesellschaft. Wir haben uns das letzte Mal, ich glaube, im August oder vielleicht September 2025 gesehen – das heißt vor über einem Jahr –, und ich hoffe, es geht ihr gut und sie hat ihren Weg gefunden.

Aus meinem AVGS-Coaching bei Ancora Coaching (2025), aus dem Gedächtnis aufgeschrieben. Die ganze Geschichte steht in Thought #291.

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Wer ich bin und worauf meine Begleitung aufbaut

Ich bin Torsten Därr. Seit anderthalb Jahren begleite ich als AVGS-Coach Menschen aus der Ukraine – mehr als 30, jede mit 80 Unterrichtseinheiten im Einzelgespräch (Ancora Coaching).

Seit mehr als drei Jahren bin ich Sprachmittler (Russisch – Deutsch) im Projekt SprInt – in Jobcentern und Behörden in Leipzig, Borna und ganz Sachsen.

Ich kenne die Formulare, Fristen und Flure dieser Einrichtungen von innen – und schreibe offen darüber: AVGS-Coaching und Svitlana (#291), ein Tag beim Jobcenter Borna (#439).