Thought #308
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Leapfrogging mit System Delta in Halle und Leipzig

System Delta

Zusammen mit Helena und Susanne, die wir über einen Workshop von Kathrin Franke (Gemeinwohlökonomie e.V.) kennengelernt haben, unterstützen wir den Aufbau der Ortsgruppe von System Delta im Osten. Über das Prinzip des „Leapfrogging“ lernen wir von den Erfahrungen bestehender Bewegungen, um nicht wieder bei Null anzufangen. Wo vernetzte Initiativen ihre Ressourcen und ihr Wissen teilen, entsteht echte Schubkraft für den Wandel.

Der Begriff Gemeinwohl-Ökonomie wird natürlich sehr stark geprägt – oder wurde bisher sehr stark geprägt – von Christian Felber, über den ich hier an dieser Stelle auch schon oft berichtet habe. Der Christian Felber ist ein österreichischer Autor und Publizist, der 2010 die Bewegung der Gemeinwohl-Ökonomie gestartet hat. Und deswegen ist der Begriff Gemeinwohl-Ökonomie sehr stark mit seinem Namen verbunden.

Und ich glaube, ich habe auch schon mehrmals darauf hingewiesen, dass leider auch Christian Felber seine Organisation ziemlich hierarchisch führt – am Ende auch ziemlich patriarchalisch. Es ist schwierig zum Beispiel, als Dozent, als Referent, als Trainer, als Multiplikator für seinen Verein tätig zu werden, wenn man das möchte. Und es gibt den sogenannten AK, den Arbeitskreis Weiterbildung – glaube ich, heißt der –, mit denen war ich in Kontakt. Und dann haben sie mir nach mehreren Nachfragen geschrieben, wie am Ende das Prozedere ist, um dort gelistet zu werden und vielleicht auch dafür entlohnt zu werden – weil das ist ja für mich ganz wichtig, auch so wie für alle anderen Menschen, gerade wenn es um die Gemeinwohl-Ökonomie geht. Aber es ist sehr schwierig: Also der Christian Felber hat hier Hürden eingebaut, künstliche Hürden, damit er die Kontrolle behält über sein kleines Empire. Das heißt, man muss sich zertifizieren lassen von seiner Organisation, und diese Zertifizierung ist nur zweimal im Jahr möglich.

Deswegen gibt es neuere Organisationen, die Leapfrogging betreiben – das heißt, wenn man das mit dem alten DDR-Spruch erklären möchte (ich weiß nicht, wer den von euch kennt): „Überholen ohne einzuholen“. Das ist im Prinzip Leapfrogging: Das heißt, man überspringt einige Entwicklungsstufen. Und das sehe ich bei einer neuen Organisation, die ich kennengelernt habe, die heißt System Delta. Weil bei System Delta passieren Dinge schneller, weniger bürokratisch, dynamischer, menschenbezogener. Und ich kann mir vorstellen, dass sich System Delta in diesem Ökosystem der Gemeinwohl-Ökonomie sehr positiv entwickelt.

Ich habe mir den Martin Oetting im Internet angeschaut: All das, was er publiziert, deckt sich sehr mit dem, was auch ich empfinde. Natürlich ist der Martin Oetting promovierter Wissenschaftler und hat natürlich noch die akademische Tiefe und eine andere Reichweite logischerweise als ich – ich will mich also jetzt nicht mit ihm in dieser Beziehung auf eine Stufe stellen –, aber die Werte decken sich sehr stark. Und auch was den Patriarchat-Faktor anbelangt, sehe ich bei Martin Oetting sehr positive Zeichen.

Während eben bei Christian Felber – da fällt mir dann sofort wieder auch der Dr. Meynhardt ein, der Timo Meynhardt, seines Zeichens natürlich auch ein sehr angesehener Professor, absolut. Nur wenn ich mir dann wieder überlege, dass die beiden diesen Marketing-Auftritt für die Stadt Leipzig organisiert haben durch die Berliner Marketingfirma – diese Marketingkampagne mit dem Namen Gemeinwohlparlament Leipzig –, da frage ich mich dann schon wieder: Ist das euer Ernst, Leute? Also da tut ihr der Idee der Gemeinwohl-Ökonomie keinen Gefallen. Deswegen sehe ich bei System Delta – auch mit ihren klaren Statements und Slogans – viel mehr Dynamik.

Zum Mitdenken

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