Ein Gespräch mit mir selbst: Wozu das alles?
Manchmal sitze ich abends vor einem leeren Dokument, und zwei Stimmen in meinem Kopf fangen an zu reden. Ich glaube, die meisten von uns kennen diese beiden. Heute habe ich ihnen einfach zugehört und mitgeschrieben.
„Schon wieder schreiben? Das Netz ist doch längst voll. Jeden Tag Millionen neue Texte, viele davon von Maschinen.“
„Stimmt.“
„Und? Wer soll das lesen?“
„Vielleicht niemand. Vielleicht ein Mensch.“
„Ein Mensch. Dafür der ganze Aufwand?“
„Ich schreibe nicht zuerst für die anderen. Ich schreibe, um herauszufinden, was ich eigentlich denke.“
„Das kannst du auch im Kopf.“
„Im Kopf dreht es sich im Kreis. Aufgeschrieben bleibt es stehen. Dann kann ich es mir ansehen.“
„Und wenn es keiner braucht?“
„Dann habe ich es trotzdem gebraucht.“
„Klingt ziemlich bescheiden.“
„Ist es auch. Aber stell dir vor: Irgendwo sitzt jemand abends um elf und kann nicht abschalten. Liest einen Satz und merkt: Ich bin nicht der Einzige.“
„Ein Mensch um elf Uhr abends.“
„Das reicht mir.“
Zwei Stimmen, ein Kopf
Die skeptische Stimme will mich schützen – vor Enttäuschung, vor verschwendeter Zeit, vor dem Gefühl, ins Leere zu reden. Die leise Stimme will nichts beweisen. Sie will nur, dass ein Gedanke einmal ganz da sein darf.
Beide gehören zu mir. Ich muss keine von ihnen zum Schweigen bringen. Ich muss nur entscheiden, welcher ich heute das letzte Wort gebe.
Welcher Satz hätte von dir sein können? Jede Antwort passt.
Wenn dir danach ist, erzähl uns deinen eigenen Gedanken – ganz unten auf unserer About-Seite.
🤖 Reflexions-Quiz zu Thought #427
Drei Fragen zum Weiterdenken. Wähle eine Antwort – danach bekommst du eine Erklärung und einen Impuls zur Selbstreflexion.
- Welche Sorge äußert die skeptische Stimme in Thought #427?
A) Dass Schreiben zu teuer ist.
B) Dass das Netz längst voll ist – mit Millionen Texten, viele von Maschinen – und niemand das Geschriebene lesen wird.
C) Dass die KI das Schreiben verbieten könnte.
D) Dass man nur auf Englisch schreiben sollte. - Warum schreibt die leise Stimme trotzdem?
A) Um möglichst viele Klicks zu bekommen.
B) Weil sie die skeptische Stimme widerlegen will.
C) Weil sie dafür bezahlt wird.
D) Um herauszufinden, was sie eigentlich denkt – aufgeschrieben bleibt ein Gedanke stehen und lässt sich ansehen. - Was reicht der leisen Stimme am Ende?
A) Ein einziger Mensch, der abends um elf einen Satz liest und merkt: Ich bin nicht der Einzige.
B) Eine Million Leserinnen und Leser.
C) Ein Preis für den besten Text.
D) Dass die skeptische Stimme endlich schweigt.