Thought #415
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Das Ende der Bullshit-Jobs: Wenn die KI-Welle die LinkedIn-Blase erreicht

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Auf LinkedIn berichtete jüngst die Senior AI Content Strategist Lena Großkortenhaus (ehemals BurdaForward), dass sie trotz acht Jahren Erfahrung in SEO und AEO seit sieben Monaten arbeitslos ist. Ganze Redaktionen werden geschlossen, Teams verkleinert und Aufgaben durch KI ersetzt.

Lena Großkortenhaus – übrigens ein sehr interessanter Familienname – ist ja nur eines von sehr vielen Beispielen von Menschen, die eine akademische Ausbildung haben und bis vor kurzem noch eine Garantie hatten, dass sie auch in Zukunft zur Mittelschicht oder zur gehobenen Mittelschicht gehören würden. Das hat sich jetzt radikal verändert.

Bei Lena Großkortenhaus kann man, glaube ich, sehr gut erkennen, was passiert ist: Lange Zeit haben sogenannte Content-Marketing-Managerinnen Inhalte vor allem für Suchmaschinen produziert. Das heißt, sie haben die Texte für Algorithmen optimiert – und da vor allem natürlich für Google. Denn im Konkurrenzdenken und in der Konkurrenzlogik zählen nur die Top-Ergebnisse: Nur die Spitze, das oberste eine Prozent bei den Suchergebnissen, wird angeklickt. Und ähnlich ist es ja auch in der Gesellschaft: Nur die Spitze kann wirklich gut leben, Entscheidungen treffen und ist frei. Das ist der Neoliberalismus. Lange Zeit haben sich Menschen wie Lena Großkortenhaus in diesem System ganz gut etablieren können, weil sie für die Top-Player Content produziert haben, der bei Google Top-Ergebnisse erzielen konnte.

Jetzt allerdings sind wir in einer neuen Phase der Entwicklung. Und in dieser Phase brauchen wir Menschen wie Lena Großkortenhaus für die Produktion von Content nicht mehr – weil jetzt natürlich die KI, die Algorithmen, die Software selbst für andere Software die besten Texte schreiben kann. Das ist eine neue Stufe dessen, was der Anthropologe David Graeber bereits vor Jahren festgestellt, in seinem Buch zusammengetragen und salopp als sogenannte „Bullshit-Jobs“ bezeichnet hat. Lena Großkortenhaus ist eine Vertreterin der Mittelschicht, die sich lange Zeit in einem solchen Bullshit-Job eingerichtet und wahrscheinlich in einer Blase gelebt hat – in der Vorstellung, dass sie mit diesem Content-Marketing und der Produktion von Keyword-rich-Texten einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft leistet.

Das allerdings war eine Illusion, und jetzt tritt die harte Realität ein. Die Maschinen zeigen jetzt einer großen Anzahl von Akademikerinnen und Akademikern, dass es am Ende um ganz andere Werte geht – eben nicht nur um den akademischen Abschluss und tolle Google-Suchergebnisse. Jetzt geht es darum, dass wir tiefer in uns hineinhören und uns fragen, was uns als Menschen eigentlich ausmacht: Sind es die Suchergebnisse von Algorithmen für Algorithmen? Oder sind es vielleicht Dinge wie Flow, wie Verbundenheit mit anderen Menschen – nicht mit der KI –, wie Wahrhaftigkeit, Empathie, kritisches Denken und viele andere Dinge, die uns ausmachen? Es ist jetzt Zeit, uns darauf zu besinnen, was uns Menschen von KI-Systemen trennt und unterscheidet.

Während sich die schrumpfende Mittelschicht auf LinkedIn noch an verschwindende Karrieren klammert, rutschen außerhalb dieser Blase vor allem alleinerziehende, geflüchtete Frauen dauerhaft in die Grundsicherungs-Falle und Altersarmut.

Aus meinem Ruhi-Kurs begleitet mich das Zitat von Bahá’u’lláh, dass eine freundliche Zunge „das Brot des Geistes“ ist. Wo liegt hier also der konstruktive Impuls? Der Kollaps dieser künstlichen Arbeitswelt zwingt uns endlich dazu, Arbeit wieder vom Menschen, von echter Empathie und vom realen gesellschaftlichen Nutzen her neu zu denken.

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🤖 Quiz zu Thought #415

Welche Entwicklung beschreibt der Text unter Berufung auf David Graeber und die aktuelle Lage in der Medienbranche?

A) Dass durch KI doppelt so viele Redakteure fest angestellt werden wie früher.

B) Dass die verbliebenen „Bullshit-Jobs“ der Mittelschicht durch KI rapide wegfallen, während das Prekariat (besonders unter alleinerziehenden, geflüchteten Frauen) fernab der LinkedIn-Blase wächst.  

C) Dass SEO-Experten gesetzlich vor Arbeitslosigkeit geschützt sind.

D) Dass soziale Netzwerke das Problem der Altersarmut gelöst haben.

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💡 Auflösung: Richtig ist B. Die KI-Automatisierung trifft nun auch gut ausgebildete Fachkräfte, während marginalisierte Gruppen oft unsichtbar in der Grundsicherung feststecken.

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Den ausführlichen Leitartikel zu diesem Gedanken findest du hier: https://uno.team/stories/das-geschaeft-mit-der-hoffnung-wie-das-system-unsere-steuergelder-verbrennt/

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Zum Mitdenken

Was könnte aus diesem Gedanken heute Kleines werden?

Drei Wege von hier