27. Raus aus dem elitären Elfenbeinturm der akademischen Ökonomie
Wenn man sich Treffen von Initiativen wie dem Konzeptwerk Neue Ökonomie anschaut, sieht man dort engagierte Menschen, die aber oft in einer akademischen Blase gefangen bleiben. Sie diskutieren Postwachstum auf theoretischer Ebene, während ihre staatlichen Förderungen langsam wegbrechen. Aber wo sind die von Armut oder Flucht betroffenen Menschen in diesen Runden? Sie fehlen völlig. Wir dürfen gesellschaftlichen Wandel nicht Top-down diktieren. Im Reallabor Leipzig-Plagwitz entwickeln wir Projekte direkt aus der Praxis und im Dialog mit geflüchteten Frauen. Wir müssen die Lebensrealität der Menschen kennen, für die wir Strukturen bauen, anstatt Lehrbücher zu zitieren.
Vor einigen Tagen war ich selbst noch einmal direkt beim Konzeptwerk Neue Ökonomie zu Besuch und habe dort unter anderem mit Mo gesprochen, die mir schilderte, dass der 2011 aus dem Umfeld der Universität Leipzig heraus gegründete Verein inzwischen bereits in der dritten oder vierten Generation geführt wird und die ursprünglichen Gründerinnen zum Teil gar nicht mehr aktiv sind. Das hat mir im Rückblick noch einmal vieles erklärt – und mir gleichzeitig gezeigt, warum neue, praxisnahe Aufbrüche wie System Delta und unsere konkrete Arbeit vor Ort in Leipzig heute wichtiger sind denn je, um die Kritik am ewigen Wirtschaftswachstum endlich aus der Theorie mitten in den gelebten Alltag zu holen.